Die Sprache der Schildkröten
- Elias

- vor 4 Tagen
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Lange hielt man Schildkröten für stumm. Dass dem nicht so ist und Schildkröten in Wahrheit sehr kommunikative Tiere sind, zeigen eindrücklich aktuelle Forschungsergebnise.

Auch bei Arten der Gattung Trachemys (hier eine Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans) konnte nachgewiesen werden, dass sie über Töne kommunizieren. (Bild: cc0)
Du hast sicher schon mal einen Vogel singen gehört oder einen Hund bellen. Vielleicht auch schon das Quaken eines Froschs oder das Keckern eines Geckos. Akustische Kommunikation, also die Kommunikation mittels Lauten, ist weit verbreitet unter den Wirbeltieren. Entstanden ist sie wahrscheinlich vor über 400 Millionen Jahren, als noch der gemeinsame Vorfahre all der genannten Arten lebte. Sie dient unterschiedlichen Zwecken, wie dem Anlocken von Paarungspartnern, der Stärkung des Gruppenzusammenhalts oder der Mutter-Kind-Bindung, dem Abstecken von Revieren und vielen weiteren.
Während akustische Kommunikation bei uns Menschen, aber auch bei Vögeln gut erforscht ist, wurde ihr bei anderen Tiergruppen wie Reptilien oder Fischen lange kaum Beachtung geschenkt. Bereits 2013 entdeckten Forscher*innen zwar, dass die südamerikanische Arrau-Schildkröte über Töne mit ihren Nachkommen kommuniziert. Nichtsdestotrotz gehen auch heute noch die meisten Menschen davon aus, dass Schildkröten stumme Wesen sind.
Dass dies diese Annahme falsch ist, konnte ein Forscher*innen-Team um Gabriel Jorgewich-Cohen von der Universität Zürich zeigen. Sie untersuchten 50 verschiedene Schildkrötenarten (mehr als 50% aller Gattungen und 14% aller Arten) auf Lautäusserungen und konnten bei allen untersuchten Arten auch tatsächlich solche nachweisen. Über Töne miteinander zu kommunizieren, scheint also auch bei Schildkröten eher die Regel, denn die Ausnahme zu sein.

Schwarze Punkte repräsentieren Schildkrötentaxa, bei denen akustische Kommunikation bereits nachgewiesen wurde, bei den weissen fehlt ein solcher Nachweis bisher noch.
Bild aus: Jorgewich-Cohen et al. (2022)

